Klienteninformation, verfaßt von Mag.
Johannes Meller
Ausgabe Nr. 15 vom Juli 2003
Die Themen:
1. Keine Nachbemessung der Krankenversicherung von Jungunternehmern in den ersten zwei Jahren ihrer Selbständigkeit
2. Anlageinvestitionen, die im Folgejahr bezahlt werden
3. Kilometergeld beträgt 0,356 € /km
4. „E-Mails sind offen wie Postkarten“: Würden Sie die Möglichkeit, mir eine Excel-Datei über meine Homepage verschlüsselt zu e-mailen, nutzen?
5. Die prämienbegünstige Zukunftsvorsorge
1. Keine
Nachbemessung der Krankenversicherung von Jungunternehmern in den ersten zwei
Jahren ihrer Selbständigkeit
Fast jeder Unternehmer, der bei der
Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) schon längere Zeit
versichert ist, hat bereits die unangenehme Erfahrung gemacht, daß ein bis zwei
Jahre nach der Einkommensteuernachzahlung zusätzlich noch eine
Sozialversicherungs-Nachzahlung fällig wird. Diese Nachzahlung wird zwar
automatisch auf 4 Ratenzahlungen aufgeteilt - eine Rate ist pro Quartal fällig
-, aber trotzdem kommt dadurch eine hohe Belastung auf den Unternehmer zu.
Ich berechne jedes Jahr für Sie diese allfällige
Sozialversicherungsnachzahlung, um Sie vor unangenehmen Überraschungen zu
schützen.
Eine Änderung diesbezüglich ist im Jänner 2003 in Kraft
getreten: Bei Jungunternehmern erfolgt in
den ersten zwei Jahren Ihrer Selbständigkeit die Nachbemessung der
Sozialversicherungsbeiträge nur mehr hinsichtlich der
Pensionsversicherungsbeiträgt
(15%), nicht aber hinsichtlich der Krankenversicherungsbeiträge (8,9%).
Diese Begünstigung gilt nur eingeschränkt: begünstigt sind
nur Gewerbeschein-Inhaber, nicht also „Neue Selbständige“ wie z.B. Architekten
(sofern bei der SVA versichert), Journalisten, Fitnesstrainer. Unter „Neuen
Selbständigen“ versteht man Unternehmer, die zwar bei der SVA versichert sind,
jedoch keinen Gewerbeschein zur Ausübung Ihrer Tätigkeit benötigen.
Die zweite Einschränkung betrifft das Gründungsjahr des
Unternehmens: Begünstigt sind nur von Jänner 2002 bis Dezember 2004
neugegründete Unternehmen. Die volle Begünstigung für 24 Monate nützen jene
Unternehmer aus, die sich zufällig im Jänner 2003 selbständig gemacht haben:
für sie werden die KV-Beiträge für den Zeitraum Jänner 2003 bis Dezember 2004
nicht angehoben, falls ihr Gewinn über der Mindest-Beitragsgrundlage liegt.
Unternehmer, die sich im Februar 2002 selbständig gemacht
haben, profitieren im Zeitraum Jänner 2003 bis Dezember 2003. Die
Begünstigung gilt nur für die ersten zwei Jahre eines Unternehmens und nur für
2003 und 2004.
Unternehmer, die sich im März 2004 selbständig machen
werden, profitieren im Zeitraum März 2004 bis Dezember 2004.
Diese Begünstigung gilt für Einzelunternehmer,
Gesellschafter einer OEG, KEG, OHG, KG und für Gesellschafter-Geschäftsführer
einer GmbH.
Diese Begünstigung wird von der SVA automatisch
berücksichtigt, es ist kein Antrag erforderlich.
2. Anlageninvestitionen, die im Folgejahr bezahlt werden
Diese Information betrifft nur „Einnahmen-Ausgaben-Rechner“,
bilanzierende Unternehmen können diesen Absatz überspringen.
Anlagegüter mit einem Rechnungsdatum 2002, die noch im Jahr
2002 geliefert und in Betrieb genommen wurden, die Sie aber erst im Jahr 2003
bezahlt haben, muß ich in Ihr Anlagenverzeichnis 2002 aufnehmen. Das Einbuchen
in Ihr Anlagenverzeichnis ist zu Ihrem Vorteil, weil Sie so die
Anlagenabschreibung von Ihrem Gewinn 2002 absetzen können. Ich mache die
Halbjahresabschreibung als Betriebsausgabe geltend, weil das Anlagengut im 2.
Halbjar angeschafft wurde. Ich ersuche Sie daher, mir Kopien der Rechnungen
über diese Anlagegüter gemeinsam mit Ihren Buchhaltungsbelegen 2002 zu geben.
3. Kilometergeld
beträgt 0,356 € /km
Das Kilometergeld beträgt 0,356 € pro Kilometer, die Rundung auf 0,36 €
kann nur bei der Auszahlung von Kilometergeld an Dienstnehmer vorgenommen
werden. Das km-Geld erhöht sich um 0,043 € auf 0,399 € für jede mitbeförderte
Person.
4. „E-Mails
sind offen wie Postkarten“: Würden Sie die Möglichkeit, mir eine Excel-Datei
über meine Homepage verschlüsselt zu e-mailen, nutzen?
„Eine E-Mail ist eher mit einer Postkarte zu vergleichen als
mit einem verschlossenen Brief.“
(Zitat Die
Presse, Alexander Wegner, Network Associates NAI).
„Der normale User vertritt die Ansicht, ich sage doch nichts
Wichtiges.“
(Zitat Die Presse Jon Matonis,
Chef der Web-Sicherheitsfirma Hush).
Daher werden derzeit kaum verschlüsselte E-Mails verschickt.
Das Verschlüsselungs-programm „Pretty Good Privacy (PGP)“ ist nur bei 7
Millionen (1,4%) der weltweit knapp 500 Millionen Internetnutzer installiert. (Quelle:
Die Presse
Das Versenden von E-Mails ist kein
vertraulicher Vorgang. Folgende Personen können Nachrichten an Transitpunkten
ungehindert einsehen:
Diese Gefahren sind real. Die Gefahr, daß Hacker die
Nachricht, während sie im Internet unterwegs ist, abfangen, ist ebenfalls real,
jedoch gering.
Falls Sie ein mulmiges Gefühl haben, wenn Sie mir Ihre
Buchhaltungsdatei e-mailen, gibt es eine Möglichkeit, die das Internet-Banking
auch bietet: die Möglichkeit des „Daten-Uploads“. Ich könnte eine Erweiterung
meiner Homepage beauftragen, so daß Sie auf meiner Homepage nur den Befehl
„Daten-Upload“ anzuklicken bräuchten. Anschließend wählen Sie Ihre Datei aus
und klicken auf „Senden“. Es funktioniert genauso wie das Anhängen eines
Attachments an eine E-Mail.
Ich möchte es jedoch verständlicherweise vermeiden, daß ich
weiterhin nur E-Mails mit Attachments erhalte und daß die Möglichkeit auf
meiner Homepage, mir eine Excel-Datei verschlüsselt zu e-mailen, ungenutzt
bleibt. Deshalb beauftrage ich diese Erweiterung meiner Homepage nur, wenn ich
genügend positive Rückmeldungen erhalte. Ich ersuche Sie, mir eine E-Mail zu
schreiben, wenn Sie komplett auf das verschlüsselte Datenversenden über meine
Homepage umsteigen würden.
5. Die prämienbegünstige Zukunftsvorsorge
„Lebenslange Zusatzpension, staatlich gefördert, mit
Kapitalgarantie, schon ab 10 Jahren, völlig steuerfrei.“ So wird die
Zukunftsvorsorge von einem Anbieter beworben. Alles richtig, aber im Detail
betrachtet ergibt sich ein anderes Bild:
In der Werbung wird der Anschein erweckt, daß die staatliche
Prämie jedes Jahr 9,5% des Gesamtkapitals beträgt. Sie erhalten die staatliche
Prämie jedoch nur für Ihre jährliche Einzahlung, nach dem gleichen Prinzip wie
die Bausparprämie.
Die folgende Tabelle veranschaulicht, wie der Prämienanteil,
bezogen auf die Gesamteinzahlung, jedes Jahr sinkt: 9,5% beträgt der
Prämienanteil nur im ersten Jahr.
|
|
|
|
|
|
Prämienanteil, |
|
|
Einzahlung |
Gesamt- |
Prämie |
|
bezogen
auf die |
|
Jahr |
pro Jahr |
Einzahlung |
pro Jahr |
Gesamtkapital |
Gesamteinzahlung |
|
1 |
1.851 € |
1.851 € |
176 € |
2.027 € |
9,5% |
|
2 |
1.851 € |
3.702 € |
176 € |
4.054 € |
4,8% |
|
3 |
1.851 € |
5.553 € |
176 € |
6.081 € |
3,2% |
|
4 |
1.851 € |
7.404 € |
176 € |
8.108 € |
2,4% |
|
5 |
1.851 € |
9.255 € |
176 € |
10.135 € |
1,9% |
|
6 |
1.851 € |
11.106 € |
176 € |
12.162 € |
1,6% |
|
7 |
1.851 € |
12.957 € |
176 € |
14.189 € |
1,4% |
|
8 |
1.851 € |
14.808 € |
176 € |
16.216 € |
1,2% |
|
9 |
1.851 € |
16.659 € |
176 € |
18.243 € |
1,1% |
|
10 |
1.851 € |
18.510 € |
176 € |
20.270 € |
1,0% |
|
Summe |
18.510 € |
|
1.760 € |
20.270 € |
|
Die staatliche Prämie wird jährlich neu festgesetzt, sie
beträgt mindestens 8,5% und maximal 13,5%. In obiger Tabelle habe ich eine
konstante Prämie von 9,5% angenommen.
Auf den ersten Blick fällt einem nicht auf, daß die
Kapitalgarantie nur dann gilt, wenn Sie sich Ihr Gesamtkapital in Form einer
lebenslangen Zusatzpension auszahlen lassen.
Wenn Sie sich nach dem Ende der Vertragslaufzeit Ihr
Gesamtkapital auszahlen lassen, gilt keine Kapitalgarantie. Weiters müssen Sie
bei Auszahlung des Gesamtkapitals die halbe Prämie an den Staat zurückbezahlen
und die bisher steuerbefreiten Kapitalerträge mit
25% Kapitalertragsteuer nachversteuern. „Deshalb ist die
prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge erst dann wirklich attraktiv, wenn man sich
für die Rentenauszahlung entscheidet.“ (Quelle: Option, Ausgabe 4/2003
vom 21.7.2003, Harald Kolerus, S. 72)
„Hauptkritikpunkt an der prämienbegünstigten
Zukunftsvorsorge ist, daß die Aktieninvestments an einer EU-Börse erfolgen
müssen, deren Marktkapitalisierung unter 30% des Bruttoinlandsprodukts des
entsprechenden Landes liegt. Derzeit bleibt als Investitionsstandort praktisch
nur die Börse Wien übrig, ab 2004 rücken dann auch die EU-Beitrittskandidaten
in den Investment-Fokus, der Rest der Veranlagung erfolgt hauptsächlich in
Euro-Anleihen.“ (Harald Kolerus, S. 70).
„Im Rahmen der Pensionsvorsorge mit seinem Aktienportfolio
ausschließlich auf einen Standort zu setzen, wiederspricht eindeutig dem
Prinzip der breiten regionalen wie sektoralen Diversifikation. Dabei handelt es
sich natürlich um keinen Zufall- mit der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge
soll schließlich nicht nur die private Pension abgesichert, sondern auch der
heimische Kapitalmarkt gestärkt werden.“ (Harald Kolerus, S. 71).
Die Wertentwicklung ist nicht gesichert, sondern hängt von
der Entwicklung des ATX ab.
„Die staatliche Prämie trägt durchgerechnet nur 1,5% zur
Jahresrendite bei. Im Zehn-Jahres-Vergleich hat der ATX zwar über 55% zugelegt,
allerdings konnten im gleichen Zeitraum der DAX Kursgewinne von 90%, der breit
gestreute amerikanische S&P 500-Index von 120% und der Dow Jones gar von
150% erzielen.“ (Harald Kolerus, S. 72).
Am interessantesten erscheint mir persönlich das Angebot der
Constantia Privatbank (CPB) gemeinsam mit der Wiener Städtischen Versicherung:
Bis zur Hälfte der Aktienquote von 40%, also bis zu 20%, werden in
Immobilienaktien investiert (Immofinanz und CA-Immo). Diese Immobilienaktien
wiesen bis heute eine konstantere und höhere Rendite auf als der ATX.
Lebenslange Zusatzpension klingt nach viel. Ich habe mir
folgendes Angebot von der CPB und der Wiener Städtischen Versicherung erstellen
lassen: Ich zahle 15 Jahre lang monatlich den Höchstbetrag von 154,25 € ein und
erhalte ab 49 eine steuerfreie monatliche Zusatzpension zwischen 161 € (bei
einer angenommenen Jahresrendite von 4%) und 201 € (bei einer angenommenen
Jahresrendite von 7%).
Wenn ich 28 Jahre lang monatlich 154,25 € einzahle, liegt
die steuerfreie monatliche Zusatzpension zwischen 509 € (Jahresrendite 4%) und
804 € (Jahresrendite 7%).
Die Zusatzpension wird dadurch etwas sinken, daß die
Modellrechnung der Versicherung auf den aktuellen versicherungsmathematischen
Sterbetafeln beruht, bei Pensionsfestlegung in 15 oder 28 Jahren werden aber
die dann gültigen Sterbetafeln berücksichtigt. Durch die steigende
Lebenserwartung wird die von der Versicherung angebotene Pension sinken.
A propos Sterbetafeln: Hinterbliebenenleistung ist in meinem
Standardangebot keine inkludiert, die Zusatzvereinbarung einer Witwenrente
würde zu durchschnittlich 25% Abschlag führen. Die genaue Höhe des Abschlags
hängt vom Alter der beiden Ehepartner ab.
Die Vorteile der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge
lauten:
Private Vorsorge ist meines Erachtens nach erforderlich,
aber ich empfehle Ihnen, die Angebote der Zukunftsvorsorgeanbieter genau zu
überprüfen.